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2. KAPITEL
"Warum bist du eigentlich immer so abweisend, Gale?" fragte Butch Neison das
langbeinige, weizenblonde Mädchen, das den Malibu Chevelle steuerte.
Sie warf einen Blick zu Seite. Ihre langen Haare flatterten im Fahrtwind. Als
sie bemerkte, daß er auf ihre nackten Schenkel starrte, verzog sich ihr schön
geschwungener Mund spöttisch.
"Das will ich dir verraten, Butch", erwiderte sie. "Die Art, wie du mich
immer ansiehst, gefällt mir nicht! Manchmal habe ich das Gefühl, als zögest
du mich mit Blicken aus. Was glaubst du eigentlich, wer ich bin? Irgendeine
Strandbiene, mit der du dich hinter einer Düne vergnügen kannst? Oder eins
der vielen Girls, die überall in der Stadt umherlaufen und nur darauf warten,
daß ein Mann sie anspricht, der Geld hat und mit ihnen schlafen will?"
Butch Neilson brauchte eine Weile, bis er das verdaut hatte.
"Entschuldige mal, Gale", meinte er nach fast zwei Minuten Schweigen, "so
kannst du mit mir nicht sprechen. Du verkennst die Sachlage! Ich ziehe dich
keineswegs mit Blicken aus. Was hast du dagegen, wenn man dich anschaut? Du
weißt sehr gut, daß du ein hübsches Mädchen bist! Also kannst du dich auch
nicht wundem, daß dich ein Mann bewundernd anblickt - oder...?"
"Darüber wundere ich mich auch nicht, Butch", gab sie zurück und
verlangsamteetwas die Fahrt. "Ich ärgere mich lediglich über die Art, wie du
es tust! Du weißt sehr gut, daß ich dagegen war, als die anderen dich in
unseren kleinen Klub aufnahmen - ganz einfach, weil du mir unsympathisch? Daß
ich dich heute in meinem Wagen mitnehme, verdankst du ausschließlich Patty
Fischer, die mich darum bat, sie schon etwas früher mit John losfahren
wollte und du bald keine Zeit hattest."
Er schnitt eine Grimasse. "Vielen Dank für die Blumen", meinte er. "Jetzt
wird mir einiges klar. Alle anderen dürfen dich anfassen oder küssen, nur bei
mir tust du stets so, als sei ich giftig."
Gale bremste den Wagen ab. "Jetzt hör endlich auf, Butch, oder du steigst aus
und siehst zu, wie du weiterkommst! Aber ich will dir auch darauf antworten:
wenn wir schwimmen oder tanzen, habe ich nichts gegen eine Berührung.
Kapiert? Ich bin auch nicht prüde, falls du das meinen solltest! Aber wann,
wie und mit wem... bestimme immer noch ich! Und du bist eben nicht mein Typ!"
"Das verstehe, wer will! Wenn du noch mit anderen schläfst, warum dann nicht
mit mir? Gestern hat dir Mark an der Brust gespielt, da hast du nichts
gesagt, hast es sogar genossen. Und als ich dann meine Hand auf deinen
Schenkel legte, bist du förmlich explodiert." Gale lachte spöttisch.
"Ich hätte dich für intelligenter gehalten, Butch! Was einer darf, darf der
andere noch lange nicht. Es kommt immer darauf an, wie man es macht. Wenn du
mich ansiehst, weiß ich ganz genau, was du dabei denkst!"
"Ach ja?! Und was?"
"Du siehst mich völlig nackt vor dir liegen - wie ein Flittchen! Dann bumst
du mich in Gedanken wie ein ausgehungerter Matrose irgendeine Hure im
Bordell! Siehst du, so was mag ich nicht! Ich hab dich neulich mal
beobachtet, wie du mit Rosanna herumgeschäkert hast! Vielleicht mag sie deine
Art - ich jedenfalls nicht! So, nun haben wir uns die Meinung gesagt! Denk
von mir, was du willst, aber laß mich in Ruhe! Und starr mich nicht immer so
an, als hättest du ein ganzes Jahr lang keine Frau unter dir gehabt. Noch
etwas sollst du wissen: ich gehöre nicht zu den Girls, die jeden Abend einen
Mann im Bett haben müssen! Benimm dich daher vernünftig, sonst scheide ich
aus dem Verein aus und geh meine eigenen Wege!"
Das Sexfotos weizenblonde Mädchen ließ den Wagen wieder anrollen. Butch Neilson sagte
nichts mehr.
Sein Gesicht war verschlossen, seine Lippen fest aufeinandergepreßt.
Na warte, dachte er, einmal kommt der Tag, an dem du dich an Butch Neilson
erinnerst - ob du, willst oder nicht! Eingebildete Pute! Wer bist du denn
schon? Weil dein Vater Millionär ist, glaubst du, du könntest dir alles
erlauben?! Ich bin dir nur nicht gut genug - das ist es! Eine Gale Long
vögelt eben nicht mit jedem, nur mit ihresgleichen...
Sie verließen die Alton Road und bogen in die North Bay Road ein, ließen das
Mt. Sinai Hospital hinter sich und erreichten das Ende der Straße. Dann ging
es weiter über einen mit Holzplanken belegten Fahrweg, der schließlich auch
endete. Gale Long schaltete den Motor ab, nahm ihre Badetasche und stieg aus.
Butch Neilson folgte ihr. Ohne sich nach ihm umzudrehen, ging sie durch den
heißen Sand und verschwand gleich darauf hinter einer hohen Düne.
Er blieb stehen und lauschte. Ja, die ganze Bande war schon da, man hörte
helle'Mädchenstimmen, dazwischen sang ein Mann die Melodie mit, die aus einem
Kofferradio klang. Ganz so schön wie Neil Diamond sang er nicht, aber CRAZY
HORSES war wenigstens noch zu erkennen. Als Neilson ebenfalls die Düne
passiert hatte, sah er Gale wieder. "Verdammt", murmelte er, "die Kleine muß
doch ins Bett zu kriegen sein! So spröde wie sie tut, kann sie gar nicht
sein!"
Gale Long bedeutete für ihn personifizierter Sex - mit ihren unendlich langen
Beinen, dem schwingenden Hinterteil, den strammen Brüsten, deren Warzen sich
plastisch unter dem dünnen Stoff des T-Shirt abzeichneten, ihrer samtweichen,
glatten, braunen Haut, auf der man den feinen, in der Sonne schimmernden
Flaum sehen konnte. Sie tat stets kühl, mitunter gab sie sich fast frigid,
dabei deutete ihre etwas vorgeschobene Unterlippe - überhaupt der ganze Mund
- auf Sinnlichkeit hin. Butch Neilson hatte sie mehrmals beobachtet, als sie
sinnend dagesessen und auf Patty Fisher geschaut hatte, die mit ihrem Freund
halbnackt im Sand lag und erotische Spielchen trieb. Ihm war Gales Blick
aufgefallen. Nein, hatte er gedacht, so sieht kein Girl aus " das von einer
anständigen Nummer nichts wissen will.... Butch Neilson unterlag einem
Fehler. Gale Long war ein heißes Mädchen. Wenn das Glied zu einem Mann
gehörte, den sie Klasse fand, ließ sie sich gem ins Bett bringen, um sich
stoßen zu lassen. Sie war auch durchaus nicht kleinlich, was die Spielarten
betraf. Sie machte es französisch genausogut wie orientalisch. Erst kürzlich
hatte sie einen phantastisch aussehenden Captain der Ledernacken
kennengelernt, der zwei Jahre in Vietnam gewesen war und dort allerlei
Erfahrungen gesammelt hatte. Nicht an der Front, sondern im Bett williger
Mädchen. Und von diesen Erfahrungen hatte Gale profitiert. Sie war erstaunt
gewesen, wie sehr man variieren konnte. Mit einem Mann allein konnte sie
alles machen, kannte keine Hemmungen - aber zu dritt, Gruppensex oder gar
lesbische Spielereien mochte sie nicht. Swap schon gar nicht. Sie war
monogam, doch es mußte der richtige Mann sein. Gegen Butch Neilson hatte sie
etwas.
Irgend etwas in ihr warnte sie vor ihm.
Dabei war der Junge gut gebaut und im Bett ganz sicher kein Versager. Sie
hatte seinen Penis vor einigen Tagen gesehen, als sie am Strand waren und er
sich die Badehose auszog. Als er sich bückte, geriet sein Glied in ihr
Blickfeld. Gale zweifelte durchaus nicht daran, daß er so manchem Mädchen
eine Menge Freuden spenden konnte. Sie würde allerdings nie eins dieser Girls
sein. Nein, so nötig hatte sie es nicht, daß sie mit einem Mann schlief, den
sie nicht richtig mochte. Nun ja, es gab Stunden, in denen es kostenlose sie überfiel,
wo sich in ihren Brüsten plötzlich Druck ausbreitete und es zwischen den
Schenkeln zu ziehen begann und sie deutlich merkte, wie der Kitzler
erigierte. Ihr ganzer Körper schien plötzlich unter erotischer Hochspannung
zu stehen; in diesen Minuten, da sie es ohne Mann nicht auszuhalten glaubte,
wäre sie zu allem fähig gewesen. Aber gerade dann war sie allein - lag auf
ihrem Bett und starrte zur Zimmerdecke hinauf, dachte an irgendeinen Boy, dem
sie einmal gehörte und den sie längst vergessen hatte. In Stunden des
Alleinseins tauchten sie wieder auf - die Gesichter jener Jungs, denen sie
sich hingegeben hatte. Manchmal flüsterte sie auch einen Namen, aber es
nutzte nichts - niemand war bei ihr. Wenn sie nicht zur Ruhe kam, wenn die
Wellen, die glühend durch ihren Leib rasten, nicht abebbten, griff sie zur
Selbsthilfe. Mitunter brauchte sie die harte Klitoris nur zu berühren;
manchmal brauchte sie etwas länger, bis sie soweit war. Nachher ärgerte sie
sich, tröstete sich jedoch damit, daß es so besser wäre, als mit einem zu
schlafen, der sie abstieß und den sie nur akzeptierte, weil sie superscharf
war.
Einmal hatte sie einer solchen Stimmung nachgegeben nur ein einziges Mal. Es
war auf einer Party gewesen, und der Kerl hatte keine Ruhe gegeben, hatte sie
immer wieder und wieder bedrängt. Bis weit nach Mitternacht hatte sie ihn
sich vom Leib halten können. Sie mochte ihn und seine ganze Art nicht, und
wenn er sie aufmunternd anlächelte, hielt sie es für Impertinenz, etwas, was
sie auf den Tod nicht vertragen konnte. Und doch hatte sie schließlich
nachgegeben. Schuld daran waren die vielen Drinks, die laue Sommernacht, das
Stöhnen der Pärchen ringsum im weitläufigen Park des Gastgebers.
Es war so gekommen, wie sie es vorausgeahnt hatte: er hatte sie kurzerhand
hinter einen Busch geschleppt, als er merkte, daß sie so heiß war, um an
keine Gegenwehr mehr denken zu können. Da sie nicht viel am Körper trug, war
sie schnell ausgezogen. Was dann kam, war für sie so entwürdigend gewesen,
daß sie sich heute noch schüttelte, wenn sie daran denken mußte. Der Kerl
hatte sie genommen, als wäre sie eine billige Hure. Kein Vorspiel, kein
zärtliches Wort - er sagte überhaupt nichts, drang in sie ein, stöhnte,
schüttelte sich, entlud sich in sie, stand auf, zog sich an und verschwand.
Sie hatte ihn nie wiedergesehen. Zornig und ernüchtert war sie aufgestanden,
hatte sich vor Ekel geschüttelt und schließlich geweint. Wenn er wenigstens
einmal gesagt hätte, daß ich ihm gefalle, daß meine Brüste schön sind, ich
einen hinreißenden Körper habe ... hatte sie gedacht-; dieser widerliche
Kerl... hat mich genommen, sich abreagiert und fertig! Seit diesem Erlebnis
war Gale Long noch wählerischer geworden. Als sie Butch Neilson kennengelernt
hatte, war sie sofort an den anderen erinnert worden. Neilson hatte sie
genauso angesehen - so abtaxiert, als wäre sie irgendeine Handelsware. Seine
Augen streichelten nicht zärtlich ihren Körper, liebkosten nicht ihre
Rundungen, die langen Beine und die vollen Schenkel. Nein, sie glitten kalt
und abschätzend über ihre glatte Haut, so, als wollte Butch Neilson sagen:
Ich will dich! Du wirst mir gehören, Puppe! Und wenn ich dich hatte, kannst
du wieder verschwinden!
So was wie dich gibt's genug! Man nimmt es sich und vergißt es wieder!
Gale Long irrte sich in einem Punkt: Butch Neilson würde sie nicht vergessen,
er würde sie behalten, wollte sie sogar heiraten, aber nicht, weil er sie -
das Weib - begehrte, sondern weil sie für ihn ein Mittel zum Zweck war. Gale
Long hatte einen millionenschweren Vater - nur das zählte. Denn Butch Neilson
brauchte Geld. Daß er mit Gale, falls Sex sie seine Frau wurde, hin und wieder
mal schlafen konnte, war eine nicht unbedingt negativ zu nennende Zugabe. Im
übrigen gab es andere Frauen, bei denen er seine sexuellen Bedürfnisse
befriedigen konnte.
Wenn auch Gale nichts von seinen Plänen wußte, so ahnte sie doch einiges' Sie
stritt nicht ab, daß Butch gut aussah. Vielleicht eine Spur zu gut. Und das
wußte er auch. Entsprechend benahm er sich - etwas, was Gale ohnehin nicht
vertragen konnte. Allein schon wegen seines überheblichen Wesens konnte er
keine Chance bei ihr haben. Hinzu kam, daß sie mit echt weiblichem Instinkt
spürte, wie seelenlos dieser Mann war. In seinen Augen spiegelte sich das
wider, was er nicht aussprach. Nicht Liebe trieb ihn zu einer Frau, sondern
Gier und Verlangen.
Gale war sehr feinfühlig. Wenn auch Butch Neilson alles daransetzte, seine
wahren Absichten zu verbergen, so gelang es ihm bei ihr nicht. Natürlich -
Gale war jung und lebensfroh, liebte das freie Leben, sagte nicht nein, wenn
der Richtige kam - aber heiraten würde sie nur einen Mann, zu dem sie
aufsehen konnte, der über ihr stand und in jeder Beziehung zu ihr paßte. Er
durfte niemals die Beherrschung verlieren, mußte stets die Kontrolle über
sich behalten können. Und... er mußte sie lieben.
Butch Neilson entsprach in keinem Punkt ihren Vorstellungen. Er besaß keine
dieser Eigenschaften - ganz abgesehen davon, daß er Gale zu
liebenswürdig-schmierig und zu aalglatt war. Er war nicht ehrlich, und Gale
liebte die Offenheit; sie pflegte das, was sie dachte, auch stets zu sagen...
Patty Fisher, ihre Freundin, und die anderen hatten Gale Long mit lautem
Hallo empfangen. Sie waren zu viert: Para, John, Melissa und Dave. Söhne und
Töchter reicher Eltern. Miami High Society. Ausnahmslos College-Bildung, was
nicht ausschloß, daß sie sich dem süßen Nichtstun ergaben, Daddys Geld unter
die Leute brachten, 'noch' nichts von Arbeit hielten und vorerst das Leben in
vollen Zügen genossen. Noch rackerte sich der gute Daddy ab, man würde schon
noch früh genug seinen Platz hinter dem großen Schreibtisch einnehmen.
So vergnügten sie sich mal am Strand, mal auf einer Party, dann wieder auf
einer Jacht oder in einem der NobelRestaurants, mit denen Miami und Umgebung
reichlich gesegnet sind.
Vormittags trieben sie es meistens hier - südlich des Mt. Sinai Hospitals. An
dieser Stelle war man ungestört, unter sich - Dünen schützten gegen
neugierige Autofahrer auf dem Julia Tuttle ' Causeway oder gegen die
lüsternen Blicke irgendeines Skippers in der Biscayne Bay.
Der kleine Klub vertrieb sich nämlich die Zeit durchaus nicht nur mit
Händchenhalten, Schwimmen, Tanz oder ähnlichen Lustbarkeiten. Es gab noch
andere.
Die Bikinis waren supermini, der Sand weich und heiß, die Gefühle angeheizt -
hinzu kamen Drinks und aufpeitschende Rhythmen aus Tonbandgerät oder
Kofferradio. Patty tanzte mit John einen Tango - der letzte Schrei,
zurückzuführen auf Marlon Brandos berühmt-berüchtigten Film. Sie alle hatten
ihn angeschaut und ihn mit guten Prädikaten versehen. Gale runzelte die
Stirn, als sie Pattys füllige Paradiesäpfel im - Tango-Rhythmus hin und her
schwingen sah. Ihr Minikini-Höschen hatte sie so weit heruntergestreift, daß
ein Teil ihrer gekräuselten Schamhaare zu sehen waren.
"Hallo, Gale...!" schrie Patty. "Was sagst du zu John? Hätte er nicht eine
Hose aus Latex an, würde sie platzen!" Sie blieb stehen und drehte ihren
Partner herum, so daß Gale seine Vorderseite zu Gesicht bekam. "Das reicht,
John! Komm... es wird Zeit für uns, Honey...!" Sie zog das Höschen aus, warf
es achtlos zu den Strandtaschen hinüber, ergriff Johns Rechte und zerrte ihn
mit sich. Gleich darauf waren beide hinter einer Düne verschwunden. Man hörte
einen spitzen Schrei.
"Armer John!" meinte Melissa, eine hochgewachsene Blondine.
"Jetzt muß er zum zweitenmal... " Sie Fotos lachte und wandte sich an ihren Tänzer.
"Stell den Kasten ab, damit wir ihr Stöhnen hören können, Dave! - Hallo,
Gale! Was ist denn mit dir, hm? Du machst ein Gesicht, als hättest du gerade
deine Unschuld verloren. Wüßte ich nicht, daß du sie längst..."
Gale, ohnehin wütend, weil Butch Neilson vor ihr stand und sie angrinste,
stampfte wütend mit dem Fuß auf. "Hör auf, Melissa!
Habt ihr denn nichts anderes im Sinn?"
"Nanu?" Melissa wunderte sich. "Hat dich jemand bekehrt, Gale? Seit wann
stellst du dich so an? Los, nimm Butch in den Arm und tanz mit ihm! Dave,
stell das Ding wieder an! Na, was ist, Gale? Keine Lust? Du, ich sag dir,
wenn du beim Tanzen an den Film denkst, dann... "
"Hör jetzt auf, ja!" Gale schüttelte wild den Kopf.
"Wenn ich eine Stimmulanz brauche, dann bestimmt nicht den Letzten Tango von
Paris'! Ich komme auch so in Form! Aber nicht mit Butch!
Warum nimmst du ihn nicht mal - den Ärmsten...?! Schließlich bist du mit Dave
nicht verheiratet! Sicher wird er Verständnis dafür haben, daß auch Butch mal
bumsen muß, damit ihm nicht was Wertvolles platzt! Nun, Butch? Wie ist es?
Ich bin sicher, daß Melissa nicht nein sagen wird. Und gut kann sie es sicher
auch! Mich müßt ihr entschuldigen - ich hab die Nase voll! Glaubt nur nicht,
daß ich prüde bin. Ich vergnüge mich auch gem eine ganze Nacht im Bett! Doch
ich treibe es nicht so wie ihr... das ist schon zum... ach was... macht doch,
was ihr wollt...!"
Sie warf ihre Badetasche über die Schulter und rannte zurück. Butch Neilson
starrte ihr wütend nach, wollte sich bereits in Trab setzen, aber ein Ruf
Mellissas hielt ihn zurück."Laß sie, Butch! Sicher hat sie heute einen
schlechten Tag!
Glaub mir, einmal kriegst du sie rum! Dann wirst du zufrieden sein! Frag
John's Bruder, mit dem hat sie ein paarmal geschlafen. Ich bin sicher, daß er
jetzt noch ihr Favorit wäre, hätten sie ihn nicht zur Army geholt. Mann, o
Mann, hat er von ihr und ihren Oualitäten geschwärmt - was, Dave? Unheimlich
aktiv, hat er gesagt! Und das will bei ihm was heißen. Mich hat er auch mal
gepimpert. Butch, ich kann dir sagen, er war super! Ein richtiger
Potenzklotz, sag ich dir! Und den hat Gale geschafft. Du siehst, sie ist gar
nicht so! 0 Mann, jetzt weiß ich's! Bestimmt kriegt sie ihre Tage! Deswegen
ist sie so verdreht! Faß dich in Geduld. Butch! Hey, Dave, hast du eine Biene
für ihn?" Dave nickte. "Ja. Was hältst du von Joan?"
"Okay, mit der wird er viel Spaß haben! - Hey, habt ihr das gehört?"
Sie drehten sich alle drei um, sahen zu jener Düne hin, hinter der Gales
Wagen stand. Sie fuhr mit Vollgas ab, so daß die Reifen durchdrehten und eine
Sandwolke hochschleuderte.
"Gale ist ganz schön sauer", meinte Melissa. "Aber was soll's? Nimm den
Buggy, Dave, und hol Joan! Ich werde Butch inzwischen trösten!"
Dave hatte nichts dagegen einzuwenden, obwohl er genau wußte, wie Melissa den
anderen trösten würde...
Jake Sturges hockte mißmutig unterhalb der North Bay Road auf einem
Anlegesteg und starrte ins Wasser. Kim Fowler hatte recht behalten - zwei
Tage waren seit seinem Hinauswurf vergangen, und noch immer hatte er keinen
neuen Job. Der Einfluß des Chefarztes reichte also tatsächlich weiter, als er
gedacht hatte.
Seit der Nacht am Strand hatte er Kim nicht mehr gesehen, nur mit ihr
telefoniert. Sie hatte ihn zu trösten versucht und ihm den Vorschlag gemacht,
es doch mal in Fort Lauderdale zu versuchen. Dorthin wollte er heute
nachmittag. Er war Sexfotos zu Fuß hier. Als er zum Baden fahren wollte, fiel ihm ein,
daß er seinen Wagen eigentlich mal einer gründlichen Inspektion unterziehen
lassen könnte. So hatte er ihn zu einer Tankstelle gebracht; Joe, der farbige
Besitzer, hatte ihn hierhergefahren.
Er würde ihn später abholen. Wenn in Fort Lauderdale auch nichts zu machen
ist, dachte er, breche ich meine Zelte im sonnigen Florida ab und sehe mich
woanders um. Vielleicht in Chicago, New York oder Los Angeles. Mal sehen...
Ein kreischendes Geräusch unterbrach seine Gedanken. "Na, das gibt's doch
nicht!" murmelte er. "Die Kleine muß den Verstand verloren haben!"
Ein zitronengelber Malibu Chevelle schoß an ihm vorbei die Straße verläuft an
dieser Stelle dicht am Bay-Ufer -, schleuderte plötzlich, raste über die
halbrunde Betonbegrenzung, drehte sich einmal um die eigene Achse und knallte
gegen einen Baum, der immerhin gut sieben Yards von der Straße entfernt
stand. Für den Bruchteil einer Sekunde saß Sturges wie erstarrt, dann
schnappte er seine Bereitschaftstasche und lief zur Straße hinüber. In diesem
Moment pries er seine Vorsicht, die Tasche vorhin aus dem Wagen genommen zu
haben. Seit Vietnam hatte er es sich zur Angewohnheit gemacht, seine
Bereitschaftstasche stets - wenn es nur möglich war bei sich zu haben.
Gale Long war aus dem offenen Wagen geschleudert worden und lag auf dem
Rücken. Aus ihrem linken A-rm strömte im Rhythmus des Herzschlages Blut.
Jake Sturges nahm seine Arterienbinde aus seiner Tasche und schnürte den
verletzten Arm ab. Dann säuberte er die Wunde, verband sie mit fachgerechten
Griffen und horchte erst jetzt nach dem Herzschlag des Mädchens. "Verdammt",
murmelte er,
"knapp sechzig - ziemlich wenig!"
Er erhob sich, untersuchte den Wagen, der offensichtlich, außer einigen
Beulen, weniger abgekriegt hatte als die Fahrerin. Er war noch fahrbereit.
Nachdem er sich davon überzeugt hatte, daß alles in Ordnung war, trug er die
Verletzte zum Wagen und bettete sie vorsichtig auf den Beifahrersitz. Dann
fuhr er langsam los. Der Unfall war auf der Höhe der 45th Street passiert.
Zum Cedard of Lebanon Hospital, seiner bisherigen Wirkungsstätte, war es zu
weit, es lag jenseits der Bay. Schließlich standen ihm weder Rotlicht noch
Sirene zur Verfügung, um sich Platz zu schaffen. Er hätte den Julia Tuttle
Causeway benutzen müssen, auf dem zur Zeit starker Verkehr herrschte. Also
entschied er sich für das Mt. Sinai Hospital, das am Ende der North Bay Road
liegt.
Als er dort ankam, bremste er sanft, stieg aus und hob das Mädchen behutsam
auf. Es hatte noch immer nicht das Bewußtsein wiedererlangt'
Einige Erklärungen genügten, dann wurde im OP-Saal alles vorbereitet. Der
diensthabende Arzt erkannte sofort, daß Eile nottat. Jake Sturges stellte
sich vor und erklärte sich bereit, zu assistieren. Dr. Wise sah ihn seltsam
lächelnd an.
"Ich kenne Ihren Namen, Kollege", sagte er. "Aber dies ist ein Notfall, und
ich nehme Ihre Hilfe selbstverständlich an. Ihr 'Freund' Malone... na ja, Sie
wissen schon, was ich meine!" - Als Gale Long in einem weißen Bett lag,
meinte Dr. Wise zu Jake:
"Nun wollen wir doch erst mal sehen, wen wir da behandelt haben! Die Sache
ist glücklicherweise nicht so schlimm. Aber es hätte böse ausgehen können,
wären Sie nicht am Unfallort gewesen. Das Mädchen wäre verblutet." Eine
Schwester brachte ihm die Badetasche und die Fahrlizenz, die am Lenkrad des
Malibu Chevelle hing. "Gale Long, dreiundzwanzig", las Jake Sturges.
"Wohnhaft in Bay Harbor Islands."
"Long? Bay Harbor Islands?" murmelte Dr. Wise. "Sollte sie mit Dr. Jesse Long
verwandt sein?"
"Sie meinen... "
"Ja. Jesse Long wohnte in Bay Harbor Islands, sein größtes Werk liegt
gegenüber in North Miami. Wie Sie vielleicht wissen, ein Riesenunternehmen
der Pharmazie und Kosmetik. Da werden wir gleich mal anrufen, kostenlose was...?" Jake
Sturges nickte. Sein Kollege ließ sich mit Jesse Long verbinden.
"Long... wer spricht?" meldete sich eine sonore Stimme. "Dr. Wise - Mt. Sinai
Hospital. Tut mir leid, daß ich Sie stören muß, Sir, aber ich habe eine
unangenehme Nachricht für Sie.
Es handelt sich um Ihre Tochter."
"Um Himmels willen, Doc, was ist mit Gale? Reden Sie schon... "
Wise beruhigte ihn. "Nichts Lebensgefährliches, Sir! Sie hatte einen
Autounfall, wurde herausgeschleudert und fiel unglücklicherweise auf eine
zerbrochene Flasche. Ein Scherben ritzte ihren Arm. Sie können Ihre Tochter
gleich mitnehmen. Und die Behandlung sollte meiner Ansicht nach der Kollege
übernehmen, der sie gefunden hat - präzise gesagt, er war Zeuge des Unfalls.
Kommen Sie?"
"Natürlich", erwiderte Jesse Long. "Sofort!" Um Dr. Wises Mund spielte ein
feines Lächeln, als er den Hörer auflegte. Er freute sich, daß er auf diese
Weise Jake Sturges helfen konnte.
"Hören Sie, Kollege", meinte er und schlug Sturges leicht auf die Schulter,
"das ist Ihre Chance! Ihr bisheriger Chef hat so ziemlich alles gegen Sie
mobilisiert. Sie wissen ja, wie das geht. Er hat das richtige Parteibuch,
einige seiner Kollegen ebenfalls. Jesse Long ist unabhängig, er braucht nach
niemandem zu fragen. Sicher wird er Ihnen unter die Arme greifen. Wenn, so
sagen Sie nicht nein! Der Mann ist so reich, daß er sicher nicht weiß,
wieviel Geld er hat. Na, und seine Tochter... sie ist auch nicht zu
verachten. Immerhin verdankt sie Ihnen das Leben. Ja, was ist?" Es hatte
geklopft. Eine Schwester trat ein. "Kommen Sie, Doc, Miß Long ist zu sich
gekommen, wurde aber gleich darauf wieder ohnmächtig!" Die beiden Ärzte
rannten zum Krankenzimmer. Dr. Wise untersuchte sie kurz. "Zuviel Blut
verloren. Wir müssen eine Transfusion machen."
Er schmunzelte plötzlich. "Welche Blutgruppe haben Sie, Sturges?"
Jake nannte sie. Wise sah auf das Krankenblatt Gale Longs, das die Schwester
angelegt hatte. "Die gleiche... also dann...!"
Zwanzig Minuten später traf Jesse Long ein. Er war ursprünglich Mediziner,
hatte sich später jedoch ganz der pharmazeutischen Chemie zugewandt.
Er wollte sofort wissen, wie es zu dem Unfall gekommen war. Wise mußte ihm
eine allgemein gehaltene Antwort geben, weil er auch nichts Näheres wußte.
"Ihre Tochter muß die Gewalt über den Wagen verloren haben, kam von der
Straße ab, überfuhr die Begrenzungssteine und prallte gegen einen Baum. Der
Wagen ist noch fahrbereit - ein Wunder, denn sie muß ganz schön gerast sein.
Wäre nicht zufällig Dr. Jake Sturges an dieser Stelle gewesen - er hatte
unterhalb der North Bay Road gebadet und wartete auf seinen Wagen -, wäre
Ihre Tochter verblutet, Sir. Der Scherben durchtrennte glatt die Arteria
radialis dicht über dem Gelenk der linken Hand. Sturges schnürte die Ader ab
und brachte Ihre Tochter sofort nach hier. Ich umklammerte und nähte die
Arterie. Jetzt dürfte es Ihrer Tochter wieder einigermaßen gehen. Tetanus
Injektion ist erfolgt, nach menschlichem Ermessen kann also nichts mehr
geschehen."
"Und der Blutverlust?" Dr. Wise konnte ihn beruhigen.
"Kein Grund zur Besorgnis, Sir. Ich machte eine Transfusion. Dr. Sturges
stellte sich als Spender zur Verfügung. Er hat die gleiche Gruppe. Natürlich
haben wir Konserven da, aber da sich Sturges anbot... "
"Ich bin Ihnen zu großem Dank verpflichtet, Doc!"
Long atmete hörbar auf.
Doch Wise wehrte ab. "Mir nicht, Sir! Sturges müssen Sie danken. Ach, noch
etwas! Vielleicht können Sie ihm helfen? Dr. Malone vom Cedars of Lebanon hat
ihn nämlich gefeuert, weil Sturges ihm ein paar Wahrheiten gesagt hat mit
Recht, wie ich bemerken möchte. Ich kenne nämlich Malone."
"Ich auch! Ein Mann, der die Fahne stets nach dem Wind dreht.
Man sollte endlich mal etwas unternehmen. Daß man einen Staatsanwalt oder
Sheriff wählt - nun gut, das kann Sex ich noch verstehen. Aber einen Chefarzt
sollte man nur dann einsetzen, wenn er seine Befähigung nachweisen kann. Hm,
merkwürdig, ich kannte mal einen Sturges. Ist schon lange her. War in Korea.
Doch lassen wir das. Ich danke Ihnen jedenfalls, daß Sie mich auf ihn
hingewiesen haben. Zweifellos verdankt Gale ihm das Leben. Schon darum muß
ich ihm helfen. ist er Chirurg?"
"Ja. Und ich denke, ein recht guter. Wieso?" Jesse Long lächelte . "Weil es
sich ganz gut trifft. So kann ich ihm wenigstens meinen Dank abstatten. Der
Leiter meines Werkskrankenhauses verläßt mich. Man hat ihm eine erstklassige
Stelle in Los Angeles angeboten. Er wollte eigentlich schon längst fort sein,
ist aber noch geblieben, weil ich bislang nicht den richtigen Mann als
Nachfolger gefunden habe.
Vielleicht könnte Sturges... "
Dr. Wise unterbrach ihn. "Nehmen Sie ihn, Sir! Ich befürchte nämlich, er wird
im Miami keinen Job bekommen. Sie verstehen? Dr. Malone... "
"In Ordnung. Und nun möchte ich meine Tochter sehen." Wise ging voraus und
begleitete Jesse Long in ein helles Krankenzimmer, in das man Gale vorläufig
gelegt hatte. Sie war inzwischen erwacht und sah ihrem Vater schuldbewußt
entgegen.
"Na, Gale...?!"
Jesse Long versuchte, einen strengen Ton anzuschlagen, doch bemerkte Dr. Wise
den besorgten Klang seiner Stimme. "Du machst ja nette Sachen! Wirst du den
Transport nach Hause vertragen können?"
Sie nickte. "Ich denke schon, Dad! Aber wollt ihr mir nicht erklären, wie ich
ins Hospital komme? Ich kann mich nämlich gut daran erinnern, daß der Unfall
auf der North Bay Road passierte. Wer hat mich gefunden und hierhergebracht?"
"Sie hatten Glück im Unglück", erwiderte Wise an Stelle ihres Vaters.
"Zufällig befand sich ein Arzt in der Nähe. Glücklicherweise ist ihm sein
Beruf so in Fleisch und Blut übergegangen, daß er ständig seine
Bereitschaftstasche mit sich herumschleppt. Er brachte Sie nach Leistung
Erster Hilfe mit Ihrem Wagen nach hier - ins Mt. Sinai Hospital. Seine Hilfe
ging sogar so weit, daß er Ihnen Blut spendete, da eine Transfusion notwendig
wurde. Er hat Ihnen zweifellos das Leben gerettet. Sie wären verblutet. Die
Wunde ist zwar - wenn man es so sehen will - geringfügig, aber der Schnitt
durchtrennte eine Schlagader. Hätte er Sie nicht sofort behandelt, dann... "
Alles Blut war aus dem schmalen, ebenmäßigen Gesicht des Mädchens gewichen.
"Wo ist er?" fragte sie leise. "In einem kleinen Raum neben dem OP. Er ruht
sich ein wenig aus!" gab Dr. Wise zurück.
Gale wandte sich an ihren Vater.
"Dad, wir nehmen ihn mit! Ich möchte mich bei ihm bedanken - aber nicht
hier."
Jesse Long nickte ihr zu.
"Ich wollte ohnehin mit ihm sprechen. Und was machen wir mit dir?"
"Ich verstehe nicht, Dad...?"
Er lachte. "Na, du hast ein Krankenhaushemd an. Sollen wir dich so
mitnehmen?"
Gale wurde rot. "Was ist denn mit meinen Sachen?"
"Schwester Mary hat sie", mischte sich Wise ein. "Aber Sie können nicht
einfach aufstehen und sich anziehen, Miß Gale! Morgen vielleicht, auf keinen
Fall jedoch heute. Ich werde Sie in den Wagen Ihres Vater bringen lassen. Und
zu Hause legen Sie sich sofort wieder hin."
"Okay", sagte Jesse Long. "Der Rücksitz ist breit genug, da kannst du bequem
liegen, Gale! Und das Hemd schicken wir dann zurück."
"Aber ich kann doch nicht einfach so... "
Wise unterbrach sie. "Wir haben Bademäntel hier, Miß Long!
Jetzt lassen wir Sie allein, und ich schicke Ihnen die Schwester."
Er gab Long einen Wink, und die beiden Männer verließen das Zimmer.
"Ich möchte jetzt mit Dr. Sturges sprechen", sagte Jesse Long.
Dr. Wise öffnete eine Tür. "Bitte, Sir! Ich denke, daß wir in zehn Minuten
soweit sind." - Jake Sturges lag noch auf der Couch und Fotos erhob sich, als Jesse
Long zu ihm trat. Der Industrielle streckte ihm die Hand entgegen. "l